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Okt 09Rezession – Mein Bachelorstudium
Vorwort
So. Seit dem Juli darf ich mich Bachelor of Science in Computer Science schimpfen und befinde mich derzeit schon in meinem Master-Studium. Ich möchte egtl mal kurz die letzten acht Semester Revue passieren lassen, meine Meinung zu einigen Dingen loswerden und meine Entscheidung begründen, warum ich denn nun das Master-Studium direkt angeknüpft habe und warum meine Wahl wieder auf die Hochschule Mannheim fiel.
Vorbedingung – Abitur und Universität
Nein – Ich habe nach meinem Abitur nicht den direkten Weg an die Hochschule Mannheim gewählt. Wie es sich für einen ordentlichen Abiturienten mit ALLGEMEINER Hochschulreife und Leistungskurs in Mathematik gehört, wählte ich für mein Studium die Universität Mannheim aus. Besagte Universität hatte damals in einer Infoveranstaltung im Zuge des Bologna-Prozesses einen neuen Studiengang angepriesen, der als Abschluss einen Bachelor of Science, sechs Semester Regelstudienzeit hatte und sich “Software- und Internettechnologie” nannte. Wer sich nun fragt, warum ich ohne Zivildienst oder Bundeswehr trotz Tauglichkeit und Sportabitur gleich studieren konnte, dem kann ich nur antworten, dass ich schlicht und einfach vergessen wurde und mein jüngerer Bruder nun umso mehr meine Suppe auslöffeln darf
Im Nachhinein hat sich diese glückliche Fügung dann doch als trojanisches Pferd herausgestellt. Da ich das Glück hatte, dass die Schule für mich trotz relativer Leistungsverweigerung ein Selbstläufer war und ich dennoch einen recht passablen Abschluss ergattern konnte, ging ich mit dieser Einstellung dann direkt ans Studium. Des Weiteren hatte ich absolut keine Auszeit. Nun gut. Leistungsverweigerung schön und gut – man musste ja ab und zu doch mal das ein oder andere Buch für eine Klassenarbeit lesen oder zumindest die Arbeit in effiziente Spickzettel investieren. Letztendlich haben mir ein paar Monate Auszeit fürs Gehirn gefehlt, so dass Zivildienst, Bund oder ein soziales Jahr vielleicht doch die richtige Alternative gewesen wären. Letztendlich war es so, dass ich schlicht und einfach extrem auf die Fresse gefallen bin. An der Universität ist man so “anonym” unterwegs, dass es niemanden interessiert, ob man denn nun die Übungen gemacht hat, in der Vorlesung schläft oder einfach garnicht da ist. Das Resultat war, dass ich nach zwei Semestern gerade einmal EINE Klausur bestanden hatte und ich mich erst im dritten Semester richtig auf den Hosenboden hingesetzt hatte – genau das eine Jahr, was mir nach dem Abitur fehlte.
Durch Zufall (Bekanntschaft) habe ich Anfang des dritten Semesters dann einen Job bei meinem (jetzigen) Arbeitgeber als Werkstudent bekommen und lernte endlich auch mal mit Programmierung, Geld zu verdienen. Umso trauriger wurde dann aber die Einsicht, dass mein Studium schlicht und einfach nicht das ist, was ich will. Ich mag Theorie – keine Frage. Ich lese viel und gerne. Aber mir hat an der Universität schlicht und einfach der Transfer zur Realität gefehlt. So passierte es dann, dass ich im vierten Semester alle Vorlesungen des ersten und zweiten Semesters bestanden hatte und ich dann an einem Punkt stand, mir zu überlegen, ob ich den Käse jetzt noch weitere vier Semester durchziehen möchte. Hinzu kam, dass der Studiengang im Zuge der Vereinigung der Fakultäten von Uni Mannheim und Uni Heidelberg aufgelöst und auslaufen gelassen wurde. Meine Eltern – beide übrigens kein Abitur – wollten natürlich, dass ich einen Universitätsabschluss bekomme und wider ihrer Erwartungen habe ich mich Ende des vierten Semesters exmatrikuliert. Das Geschrei war groß
Welche Alternativen hatte ich nun? Ausbildung, Berufsakademie, Fachhochschule, Universität mit anderem Studiengang. 21 Jahre alt, war ich damals. Ausbildung wollte ich keine machen. Dafür habe ich kein Abitur gemacht. Berufsakademie war eine durchaus lukrative Alternative. (Fach-) Hochschule ein praktischeres Studium und Universität die optimale Lösung, um meine Eltern zu beschwichtigen. Ich habe die Lösung “Universität” schlicht und einfach gestrichen. Womöglich die schwerwiegendste Revolution gegen meine Eltern seit der Pupertät.
Also drei Bewerbungen für Berufsakademie losgeschickt und mir mal die Rankings für die Hochschulen angeschaut. Nach etwa sechs Wochen hatte ich eine definitive Zusage bei einem großen Betrieb an der Berufsakademie und vier Zusagen an den Hochschulen Karlsruhe, Kaiserlautern, Darmstadt und Mannheim. Nach etlichem Abwägen habe ich mich für die Hochschule Mannheim entschieden, da mir mein Werkstudentenjob sehr viel Spaß machte, ich ihn weiterausüben konnte und dies bei den anderen Hochschulen nicht möglich gewesen wäre. Den vorliegenden Vertrag zur Berufsakademie habe ich zum Leitwesen der Personalabteilung von XYZ nicht unterschrieben.
Hochschule Mannheim – Bachelorstudium
Grundstudium
Da war ich nun also. Neuanfang. Restart. Format /brain. Wieder in einer Infoveranstaltung. “Schauen sie sich um, die Hälfte der Studenten, die hier mit Ihnen sind, werden in ein paar Semestern nicht mehr da sein”. Gott. Der selbe idiotische Spruch wie an der Uni – leider hat er sich mehr als deutlich bewahrheitet. Nichtdestotrotz muss man zugeben, dass die Studenten doch – nein, es ist kein Vorurteil – hier anders tickten als an der Universität, was es mir auch viel leichter machte, Anschluss zu finden. Ich denke, dass ein großer Faktor doch die kleine Zahl (ca. 40) an Studenten war, da man so eher als “Klasse” zusammenhielt und sich nicht eine Vorlesung mit 300 anderen Studenten teilen musste.
Nun gut. Die Vorlesungen im Grundstudium waren bis auf den Mathekram doch schon deutlich interessanter, praktischer und nützlicher als der Kram an der Universität. Subjektiv. Natürlich. Nicht zu unterschätzen war die Pflichtanwesenheit in den Übungen, die doch unterschwellig mehr gebracht hatte, als man anfangs vermutet. So möchte man sich niemals ohne Ahnung in die Übung setzen, um einem peinlichen Moment zu entgehen und wiederholt somit automatisch alle relevanten Themen, um vorbereitet auf unangenehme Fragen zu sein. Riesige Motivation brachte mir auch die Tatsache, dass ich das Erlernte wirklich sofort im Werkstudentenjob anwenden konnte – und umgekehrt.
Aussiebfächer waren genügend vorhanden. Das war auch gut so. Geschenkt ist nun mal der Tod. Mittlerweile (vier Jahre später) wurde der Regelstudienplan ja deutlich aufgelockert. Da mir Mathematik eh Spaß machte, hatte ich mit diesen Fächern doch relativ wenig Probleme, obwohl ich mir eingestehen muss, dass meine Noten doch da sehr viel besser hätte sein können, da das reine Verständnis doch nicht ausreicht, wenn die Zeit gegen dich tickt. Routine sollte man da nicht unterschätzen. Immerhin habe ich alle Mathevorlesungen bei den schwierigsten Professoren gleich beim ersten Mal bestanden.
Unverständlich für mich war das Fach “Technische Grundlagen der Informatik”. Ich konnte mich dafür weder begeistern, noch habe ich verstanden, inwieweit mich dieses Fach in meinem Studium weiterbringen solle. Gerade neben Vorlesungen wie Rechnerarchitektur stand dieses Fach doch sehr alleine da.
Fazit – Grundstudium
Das Grundstudium erfüllt genau den Zweck, den es erfüllen soll. Es schafft die Grundlagen, um die Informatik anzuwenden und weiterführende Themen zu verstehen. Ärgerlich ist jedoch, dass es sich lohnt, Vorlesungen absichtlich ein Semester aufgrund von Professoren zu verschieben. Die erhaltenen Noten sind nicht vergleichbar. So entspricht eine 2,7 bei dem einem Professor locker einer 1,3 bei dem anderen. Ein späterer Personalier kennte diese Tatsache leider nicht, so dass der Schelm, der weniger geleistet, aber eine bessere Note hat, sich unfair im direkten Vergleich abhebt. So war der Running Gag unter Kommilitonen, dass Leute, mit schlechten Mathekenntnissen einfach den Professor wechselten und die guten Mathematiker unter uns letztendlich immer schlechter dastanden. Als Beispiel sei erwähnt, dass ich mit einer 2,7 in Analysis die beste Note hatte. Und mit einer 4,0 in Diskrete Mathematik die drittbeste
Dass die Durchfallquote bei 70 – 80% lag, wird hierbei nicht ersichtlich. Es mag sich doch sehr utopisch anhören, aber vielleicht sollte man sich doch wie beim Abitur über einen festgelegten Standard in den Klausuren einigen – auch wenn dies schier unmöglich ist.
Das Grundstudium war also nach zwei Semestern rum.
Hauptstudium
Das dritte Semester
Das dritte Semester würde ich als das härteste im Studium bezeichnen. Alle Noten bekommen nun eine Zeugnisrelevanz und nach Regelstudienplan ist der Stundenplan so vollgekleistert, dass eine Nebentätigkeit fast unmöglich erscheint. So entschied ich mich, das dritte Semester zu splitten. Regelstudienzeit waren sieben Semester. Aufgrund von Zeitproblemen war klar, dass ich das dritte Semester aufbrösel und die Fächer nach hinten schiebe, so dass ich dann ein Semester länger für mein Studium brauchen würde – drauf geschissen. Das Hassfach TGI (siehe Grundstudium) hatte ich noch aus dem Grundstudium zu belegen, so dass das dritte Semester sehr chaotisch ausfiel. Letztendlich habe ich von sechs vorgesehenen Vorlesungen nur drei belegt und noch TGI aus dem Grundstudium nachgezogen – durch das ich aufgrund von Gehirnblockade und Faulheit durchfallen sollte. Würde auch behaupten, dass das dritte Semester so der Tiefpunkt in meinem Studium an der Hochschule war. Sowohl Motivation und Interesse waren da nicht sonderlich hoch (bis auf SEE und PMG) und ich bevorzugte eher den Weg in die Firma als an die Hochschule. Den noch vorhandenen Kommilitonen ging es da nicht anders (mittlerweile waren locker 30-40% schon ausgesiebt), so dass ich mich wirklich zwingen musste. Mit meinem Hintergrund von der Uni-Zeit habe ich mir dann auch wirklich in den Hintern getreten und das Semester relativ gut durchbekommen.
Fazit – Drittes Semester
Zuviel. Bis auf DBA und SEE/PMG zu uninteressant, demotivierend. Gerade im Hinblick auf das bevorstehende Softwareentwicklungs-Praktikum waren meinerseits zwei Mathevorlesungen einfach sehr idiotisch und gewagt gelegen. Besser: Eine Mathevorlesung raus. Design-Pattern rein. TGI im Grundstudium weg. Ein Teil von SYS (Ihme-Teil) hinziehen. Rest von SYS lassen.
Softwareentwicklungs-Praktikum
Ein Softwareprojekt. Ein echter Kunde. Der ganze Entwicklungsprozess. Von Anforderungen, Pflichtenheft, Projektmanagement, bis Einführung und Wartung beim Kunden. Anfang bis Ende. Ein zusammengewürfeltes Team. Vergesst bitte euer Leben nebem dem Studium – es wird schlicht und einfach keines mehr geben. Ein ganzes Semester lang. Und das ist auch gut so.
Softwareentwicklungs-Praktikum – Fazit
Warum ich so wenig darüber schreibe? Weil das SEP einfach viel zu individuell ist, um es hier sinnvoll zu beschreiben. Das SEP war das beste Semester in meinem Studium. Und ich würde behaupten, dass ich in diesem Semester auch wirklich viele Leute in meinem Studium lieb gewonnen habe (und das Gegenteil). Der Arbeitsaufwand ist enorm. Und ich konnte es nur so regeln, dass ich einen Tag vom Wochenende geopfert habe, um meinen Nebenjob weiter ausführen zu können. Entgegen der Meinung der Professoren muss ich sagen, dass nicht ALLES so in der Realität stattfindet. Gerade in Bezug auf Teammitglieder, die sich weigern zu arbeiten, wird in der Industrie härter durchgefriffen als es die Professoren tun – zumindest habe ich das schon so erlebt. Die Gewichtung des SEP’s ist enorm im Zeugnis. Mehr als ein Viertel. Man muss diesem Druck gewachsen sein und sich bewusst machen, dass eine schlechte Note nicht mehr auszugleichen ist. Das hat nun seine Vor- und Nachteile. So ist eine 1,0 für den weiteren Verlauf des Studiums durchaus eine nette Lebensversicherung.
Sehr schön ist auch, dass die Studenten mit Unternehmen in Kontakt kommen und so schon etwas Networking für Zukunft betreiben können. Nicht schön ist widerum, wenn sich ein Trend ergibt, dass nur noch EIN Unternehmen die Projekte liefert (so geschehen jetzt im Softwareprojekt für Bachelor und Master). Die Zukunft wird zeigen, ob dieser Trend bestehen bleibt. Ich hoffe es nicht.
Wahlfächer
Jawoll. Man ist also soweit, dass man nun anhand seiner Interessen auch seine Vorlesung auswählen kann. Denkt man. Die Auswahl hält sich doch sehr in Grenzen. Man beginnt Wahlfächer anhand des Schwierigkeitsgrads und des Professors zu wählen, da man ja eh und je seine Interessen nur bedingt wiederfindet und man somit einfach das kleinste Übel wählt.
Wahlfächer – Fazit
Hach, was haben wir uns schon darüber aufgeregt. Und auch die jetzigen Studenten, die vor der Wahl stehen, beschweren sich. Das Angebot ist schlicht nicht Zeit gemäß. So vermiss(t)e ich Wahlfächer mit Fokus auf: OSGI, Spring, Semantic Web, Cloud Computing, Netzwerkprogrammierung und..und..und. Gott sei Dank gibt es das Wahlfach Bildverarbeitung, das so sicherlich eines der besten Vorlesungen im Studium war. Dem gegenüber stehen aber drei Wahlfächer, die schlicht von der Thematik als auch der Didaktik einfach nur schrottig waren. Argumente, dass man ja nicht alle Erwartungen befriedigen könne, kann ich so nich durchgehen lassen. Eine Umfrage wäre mal ganz nett, in der man fiktive Wahlfächer mit angebotenen Wahlfächern gegenüber stellt und dann auswertet, wieviele der vorhandenen Vorlesungen dann egtl noch besucht werden würden. Nach dem doch so tollen SEP dann in die Wahlfachproblematik zu kommen, ist schon ein deftiger Schlag in die Fresse. Des Weiteren scheint mir ein leichter Trend der Bevorzugung von Medizinern erkennbar. Hallo? Ich habe Informatik studiert, um mir diesen Käse zu ersparen. Gebt den Medizinern ihre Wahlfächer. Uns unsere. Aber bitte nicht das Plus der Mediziner (für die das Wahlangebot wirklich gut ist) als vermeinliches Wahlfachangebot für Informatiker verwenden. Fail. Wir haben es dann sogar so gehändelt, dass wir uns aus dem umfangreichen Angebot der Nachrichtentechniker bedient haben.
Praxissemester
War doch sehr einfach für mich, eine Stelle zu ergattern. Absichtlich habe ich damals innerhalb meiner Firma die Abteilung gewechselt, um man etwas anderes zu sehen. Das kann ich auch jedem nur empfehlen. Pflichtpraktika sind die beste Gelegenheit, einfach mal irgendwo reinzuschnuppern.
Praxissemester – Fazit
Würde jetzt mal behaupten, dass das Praxissemester für mich sehr anspruchsvoll war. Hatte damals ein Projekt. Verschiedene Deadlines. Und wurde voll in den Arbeitsalltag eingebunden. Ich denke, dass es gerade für einen Studenten doch mal sehr gut ist, mal sechs Monate pünktlich um kurz vor 7 uhr aufzustehen und seinen Hintern in die Firma zu schaffen. Ich würde nicht behaupten, dass Studieren jetzt einfacher sei. Aber es ist definitiv ein komplett anderer Schuh. Von einigen Kommilitonen habe ich gehört, dass das Praktikum doch recht anspruchslos, langweilig und unnötiges Zeitabsitzen war. Das kann ich von meiner Stelle nicht behaupten. Ich durfte sogar für eine Woche nach Orlando fliegen, um dort den Messesupport zu inspizieren und zu arbeiten. Informiert euch vorab über die Abteilung. Betreibt Networking. Fragt Kommilitonen. Und hängt euch dahinter. Geschenkt ist nun mal nur besagter Tod.
Tutorium
Sehr witzig. Mal auf der anderen Seite zu sein. Der “Böse” zu sein, der die ekelhaften Übungen erstellt und die Punkte für die Zulassung vergibt – das war ich alles nicht.
Ich hatte Tutor im SEP gewählt und eine Gruppe innerhalb des ganzen Prozesses unterstützt und für Fragen bereit gestanden. Man darf auch nur Fragen beantworten und nur eingreifen, wenn das Team wirklich nicht mehr innerhalb des (großen) Rahmens bleibt.
Tutorium – Fazit
Sehr gut. SEP-Turor fand ich daher sehr gut, da man flexibel sein kann. Ich habe meiner Gruppe meine Handynummer, GTalk und ICQ-Nummer gegeben und stand dann sozusagen “auf Abruf” da. Mal in der Freistunde, mal einfach nur über Skype. Wie es halt gepasst hat. Vorallem ist es witzig zu sehen, dass egtl alle Studenten die gleichen Fehler wie wir damals gemacht haben (wenn wir sie jetzt nicht immer noch machen würden
). Das Tutorium war eine super Erfahrung.
Bachelor Thesis
Der Overkill. Nun gut. Ich wollte unbedingt meine Thesis in der Industrie schreiben. Wegen Geld und wegen Lebenslauf. Und was kam dann? Die Weltwirtschaftskrise. Ich hatte mich davor schon bei einigen Firmen beworben und wurde dann mit Einstellungsstop vertröstet. Kurz vor knapp hat sich dann was in meiner Abteilung ergeben, in der ich schon arbeitete. Unter der Bedingung, dass ich wirklich nur drei Monate habe. Also anfangen zu arbeiten, anmelden und nach strikt drei Monaten ist Vertrags- und Bachelor-Thesis-Ende. Ich weiss nicht wie, aber ich habe es wirklich geschafft, 15000 Zeilen Code zu programmieren und über 100 Seiten Bachelor-Thesis zu schreiben. Ich kann es keinem empfehlen. Sowohl physisch als auch psychisch war das eine nicht allzu tolle Zeit. Jaaaaa. Viel Gepiense – ich weiss. Aber die Vorgabe, von drei Monaten seitens der Regierung ist schlicht und einfach ein schlechter Witz. Gehen wir von dem Fall aus, ich hätte in einer neuen Firma/Abteilung anfangen müssen und hätte nicht schon ein Jahr mit dem Framework, was ich in der Thesis verwendet habe, entwickelt gehabt; so wären locker 2-3 Wochen nur drauf gegangen, mich in das Prozedere der Abteilung und der dort verwendeten Werkzeuge einzuarbeiten. Soooo. Dann bleibt also noch knapp ein Monat, um produktiv zu arbeiten. Und dann noch ein Monat, um die Thesis fertig zu schreiben. Idiotisch. An den Haaren vorbeigezogen und unrealistisch. Und vor allem macht das auch keine Firma wirklich mit.
Hochschule Mannheim – Masterstudium
Viele könnten jetzt interpretieren/sich fragen, warum ich mich doch nach etlichen vielen negativen Punkten für ein Masterstudium an der Hochschule Mannheim entschieden habe. Und denen muss ich auch recht geben. Aber was wären denn die Alternativen? Arbeiten gehen, Hochschule wechseln. Arbeiten kommt für mich nicht in Frage, da ich eine Stelle in einem Phd-Programm anstrebe. Und ich weiss, dass wenn ich einmal einen richtigen Gehaltsscheck gesehen habe, ich dann so schnell nicht wieder Lust habe, studieren zu gehen. Und ja – ich habe eine doch recht lukrative Festanstellung zu Gunsten einer Werkstudentenstelle in der gleichen Abteilung abgelehnt. Hochschule wechseln? Gut. Ich hatte etliche Diskussionen mit Kommilitonen und obwohl wir vor der Thesis der Meinung waren, im Kollektiv die Hochschule zu wechseln, haben wir uns alle für die Hochschule Mannheim entschieden. Und es gab nur wenige Gründe:
- Keiner hatte sonderlich Lust, sein Umfeld zu verändern, seien es Freunde, Wohnung, und Arbeitsstelle.
- Wir wissen wie der Hase läuft an der Hochschule Mannheim.
- Nach zwei Semestern sitzen wir alle schon wieder in irgendeiner Firma und schreiben/arbeiten an unserer Masterthesis
Das Masterstudium stellt sich nicht so gravierend in der Studienlaufbahn dar wie das Bachelorstudium. Zwei ehemalige Kommilitonen sind nach Darmstadt gewechselt und können mir nun auch bestätigen, dass es dort zwar deutlich mehr Wahlfächer gibt, aber dies auf Kosten einer deutlichen Umstruktierung des Umfeldes.
Des Weiteren finde ich den Themenschwerpunkt “Software-Engineering” sehr gut. Da ich ehrlich gesagt auch keine Lust habe, in meinem späteren Arbeitsleben als Code-Monkey zu enden. Für mich ist der Master dahingehend auch nur ein “Mittel zum Zweck”, da ich diesen Abschluss benötige, um meinen Phd anfangen zu können. Dass sich jetzt im Master an den Wahlfächern nicht sonderlich etwas geändert hat im Vgl zum Bachelor, dem bin ich mir bewusst. Und dennoch muss ich sagen, dass die Vorlesungen durch den gewachsenen Anspruch doch um einiges interessanter als diese im Bachelorstudium sind.
Allgemeine Kritik – Hochschule Mannheim
Ich fasse nochmal kurz alle Punkte zusammen und werde die Liste auch noch um weitere Punkte erweitern. Hinzuzufügen ist, dass ich keine (oder eine geringe) Ahnung habe, wie der jetzige Regelstudienplan aussieht. Somit können einige Punkte schon längst irrelevant geworden sein:
- Anspruch im Grundstudium grundverschieden unter den Professoren für das gleiche Fach. Standardisierung erwünscht.
- Drittes Semester zu wuchtig. TGI wegstreichen. Ein Teil von SYS ins Grundstudium vorziehen. Eine Mathevorlesung streichen.
- SEP. “Work refusing students” nicht mit dem Satz “Das ist in der Wirtschaft auch so” beschönigen. Inkompetente Menschen werden heutzutage in der IT schneller weggeschossen als in irgendeinem anderen Dienstleistungsektor (oder sie werden zum Manager befördert). Traurig, dass ich seit dem SEP als Befürworter einer Lockerung des Kündigungsschutzes bin.
- Wahlfächer. Grottig. Themen aktualisieren. “Up to date” sein. “Java programmieren” reicht leider heutzutage auch als Absolvent nicht mehr aus, um Fuß zu fassen. Spezialisierungen anbieten: Spring, OSGI, SOAP, etc. Ein “Anschneiden” in Themen verwandte Vorlesungen erscheint mir als nicht ausreichend. Es ist hart. Aber einige Professoren sind mittlerweile – vielleicht waren sie mal gut – einfach komplett “ausgelebt”. Das ist nicht aufs Alter bezogen, sondern auf die Vermittlung der Kompetenzen und die Begeisterung für die Thematik. Wenn der Dozent keine Lust auf das Thema hat, dann haben es die Studenten erst recht nicht. Ein Gastdozent erzählte uns, dass es in deren Universität Gang und Gebe sei, dass der Professor sich MIT den Studenten an ein neues Thema heranwagt, so dass beide voneinander profitieren. Warum nicht mal diesen Ansatz wählen? Eine wie oben beschriebene Umfrage zum aktuellen Wahlplfichtangebot erscheint mir auch mehr als nötig. Es scheint, als würden Mediziner bevorzugt werden.
- Ausstattung. Warum vergeht kein Tag, an dem es keine Netzwerkprobleme gibt? Warum funktionieren manche Karten mal und manche nicht. Und warum hat es ewig gedauert, bis man EIN Passwort für alles benutzt hat. Warum ist die Problematik mit dem POS und der Anmeldepflicht immer noch nicht richtig vom Tisch? Warum haben wir zwei Bildschirme, aber Grafikkarten, die schon bei einfachen 3D-Flash-Animationen anfangen zu heulen? Warum dauert das Anmelden am Rechner immer noch 3-5 Minuten? Warum sind die Birnen einiger Beamer schon seit Ewigkeiten ausgeleuchtet? Warum funktioniert der Rollladen immer noch nicht richtig? Warum bekommen Studenten keine Lizenzen für Programme, die wir dringend für manche Fächer benötigen (warum müssen wir da dauernd im VPN sein) ? Das hat alles weniger mit dem Studiengang zu tun, aber es hinterlässt im Nachhinein doch einen recht bitteren Nachgeschmack. Und der rote Klecks in der Kategorie “Ausstattung” im CHE-Ranking steht da nicht nur so zum Spaß.
Abschließende Worte
Mir ist bewusst, dass doch gewisse Worte hier etwas hart gewählt wurden. Mein Studium an der Hochschule war die bisher beste Entscheidung, die ich getroffen habe und ich bin froh, dass ich auch dort meinen Abschluss gemacht habe. Dennoch gab es Dinge, die sich nervend rigoros durch mein Studium gezogen haben und bis heute nicht beseitigt wurden. Wie immer ist es so, dass negative Punkte doch deutlich stärker im Gedächtnis bleiben als viele, viele positive, die es während dem Studium gegeben hat und immer noch gibt. So ist das Engagement von vielen Professoren wirklich unheimlich hoch – zum Leidwesen, dass diese die Inkompetenz mancher Kollegen kompensieren müssen. Aber es ist nun mal auch im SEP, Fußball, Arbeitsleben so, dass es immer Starke und Schwache gibt. Wichtig ist, dass Dinge ausgesprochen werden, denn nur so finden sie Gehör und es kann etwas verändert werden. Sagt es eurem Studiengangsleiter. Ich denke nicht, dass dieser etwas gegen konstruktive Krikik einzuwenden hat. Solltet ihr an der Hochschule Mannheim studieren oder es vorhaben, dann wünsche ich euch viel Spaß, viel Erfolg und nie das Ziel aus den Augen verlieren.
Oktober 19th, 2009 at 17:14
Ansonsten ganz ok, und ein fettes ~agree zu den genannten positiven und negativen Kritikpunkten.
Oktober 19th, 2009 at 20:27
Haha…Dass du an der Uni warst, wusste ich ja, aber dass du auch SIT gemacht hast, is ja lustig. Haha…
Da decken sich unsere “Lebenserfahrungen” ja zum großen Teil.
Schöne Kritik!
Zu der “Standardisierung” der Grundstudiumsfächer: Das ist leider ein Problem ALLER Hochschulen bundesweit. Da es keine einheitlichen Lehrpläne für Dozenten gibt, wie es für Lehrer an normalen Schulen üblich ist, bleibt jedem Dozenten selbst überlassen, was er/sie lehrt, bzw unter diesem Fach versteht. Daher: Ja, eine Standardisierung wäre schön – wird aber leider (selbst nach Bologna) niemals kommen.
100%-agree gibts für die Wahlpflichtfächer. Die Idee mit der Umfrage (selbst wenn sie weder repräsentativ, noch ausschlaggebend sein wird) hatte ich auch schon. Damit würden sich zumindest Tendenzen im vorhinein zeigen, was immerhin schonmal das abstimmen der Stundenpläne erleichtern würde.
Juli 9th, 2010 at 00:29
Moin,
reg dich nicht so auf, du bist mit viel Nichtstun durchs studium gekommen, und hast auch noch gut abgeschnitten.
Ich bin gerade im 2. Semester und stehe 1.3 und sehe alles genau so locker wie du, aber ich glaube, dass alles noch härter wird und darum fange ich jetzt an zu lernen.
Du solltest deinen lesern genau das gleiche sagen!
M.f.G.
Brot ( Hector) …
Juli 9th, 2010 at 14:05
Hallo Brot,
ich weiß nicht, wie du behaupten kannst, dass ich mit Nichtstun durchs Studium gekommen sei. Ist das nur ein provokatives Statement oder vielleicht sogar Ironie? Jedenfalls halte ich eine solche Aussage in Unkenntnis meiner Person für sehr, sehr idiotisch.
Nichtstun war bei mir: 20 Stunden neben dem Studium arbeiten und dennoch den Bachelor in acht Semestern (Bachelorthesis in eigenem Semester aufgrund von Industrietätigkeit) durchgeboxt.
Der Schwierigkeitsgrad ist im Grundstudium zumindest an der Hochschule Mannheim rapide gesenkt worden durch Entschlackung der mathematischen Fächer, so dass deine 1,3 eh und je nichts zu bedeuten hat. Wichtig wird’s ab dem 3. Semester.
Die Aussage des “Nichtstuns” würde ich also an Deiner Stelle – wenn du Studium von Mami und Papi bezahlt bekommst – nochmals überdenken. Solltest du neben dem Studium auch ca 20 Stunden noch andersweitig tätig sein, dann darfst du dich Naturtalent nennen und glücklich sein.
Viele Grüße und noch viel Erfolg im Studium.
inkvine