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“Geh doch zur SAPPHIRE!” haben sie gesagt. “Schau dir mal Frankfurt an!” haben sie gesagt. “Abends kannst du ja im Zimmer lernen!” haben sie gesagt. “Abends mit den Kollegen dort weggehen. Networking!” haben sie gesagt.
Oder einfach nur tot umfallen und sabbernd in der Ecke liegen.
So lässt sich kurz beschreiben wie mein letzte Messe war. Nur um vorweg zu nehmen. Ich hab schon viel Stress erlebt in Projekten, Hochschule, Sport oder sonstwo, aber dieser Event hat wohl allen Beteiligten ALLES abverlangt, was nur möglich ist. Ich werde Beitrag chronologisch schreiben und man verzeihe mir öfters meinen Sarkasmus. Dann wollen wir damit beginnen, was eigentlich das Projektziel des Ganzen war und warum zur Hölle ich zu dieser Messe musste.
Einleitung
Also. Kurz zu mir. Ich arbeite im Marketing und was wir in unserer Abteilung tun, ist eigentlich Demos entwickeln. Wir schnappen uns gewisse Geschäftsprozesse der SAP Systeme, basteln den Prozess in Adobe Flex nach. Dadurch, dass wir eine sehr nerdige Abteilung sind, haben wir uns aber auch für viele andere Sachen etabliert. Wir sind also mittlerweile zu einer Art Elite-Einheit der SAP mutiert, die dann gerufen wird, wenn es darum geht, Dinge möglichst fancy zu präsentieren oder einfach mal ein paar Spielereien umzusetzen.
So war es auch diesmal.
Um den Sinn des Projektes als solcher zu erläutern, ist es vlt erstmal nötig, den Begriff SAPPHIRE an sich zu klären. Was ist denn die SAPPHIRE? Kurz um ist die SAPPHIRE eine von der SAP AG veranstaltete Messe, die es ermöglicht SAP-Kunden weltweit einzuladen und dort auch Großkunden der SAP die Chance zu geben, ihre Produkte an den Mann zu bringen. Also nichts anderes als ein Maimarkt Mannheim auf IT-Ebene und auf SAP und deren Produkte reduziert. Die SAPPHIRE findet gewöhnlich auf zwei verschiedenen Kontinenten zu verschiedenen Terminen statt. Einmal auf Europa und Umkreis bezogen (im folgenden EMEA) und dann noch auf US-Ebene. Da letztes Jahr der Böse Bubu namens “Weltwirtschaftskrise” angeführt von einem Herrn Lehmann allen in die Suppe gespuckt hatte, fiel diese Messe aus und SAP dachte sich, dass man dieses Jahr umso mehr auf den Putz hauen muss. Die Überlegung war also, dass die SAPPHIRE zeitgleich an zwei verschiedenen Orten stattfindet und soviel wie nur möglich miteinander kommuniziert, agiert und präsentiert wird. Social Media soll eine große Rolle spielen und überhaupt sollen die Grenzen der Kontinente nicht spürbar sein.
Nachdem das Konzept relativ oder eher UNHEIMLICH früh – ich glaube mich zu erinnern, dass es wohl 3 Monate vor Messebeginn war (man möge mich hierbei verbessern) – stand, klingelte es bei unserer Abteilung an, dass wir uns doch was fanciges, tolles ausdenken sollen, was in dieses ganze Konzept passt.
Nach etlichen Spinnereien und nur noch knapp vier Wochen Zeit, massig Prototyping, Recherchen, Machbarkeitsstudien und Budgetkalkulationen kamen wir dann zu folgendem Ergebnis:
Rund um die Messe werden Touchsmarts von HP installiert, die eine Flash-Anwendung laufen haben, die es den Besuchern ermöglicht, so gut wie alle Informationen über die Messe schnell und einfach zu konsumieren. Sich über gewisse Themen Videos, Präsentationen und Powerpoints anschauen zu können, sich das Material über die Badge-ID ihrer Anmeldung nach Hause zu schicken und überhaupt mit dem Ding einfach sehr viel rumspielen sollen.
Am Eingang der Messe sollte eine 4*2m große Touchwall installiert werden, die aktuelle Sessions, Informationen, Videos und Tweets über die SAPPHIRE anzeigt und der Besucher alles verschieben, skalieren, angucken, drehen und was-weiss-ich-noch-alles tun kann
Die Touchwall lagerten wir aus an www.sedna.de. Die Jungs kennen sich damit aus, sind Geeks und die kriegen das in der Zeit hin. Die Touchsmarts und alles, was damit zu tun hatte, blieb bei uns. Und wir hatten ca 3 Wochen dafür, dass Ganze umzusetzen, so dass es sich mehr als 20k Besucher dort anschauen können.
Da wir wussten, dass der Content von anderen Instanzen zusammengestellt wird (also die Informationen zu dem jeweiligen Themenbereich in der der Touchsmart steht), mussten wir so dynamisch sein, dass wir Module verwendeten und die Module mit XML-Dependency dann zur Laufzeit einspeisen konnte. Ich sage bewusst “zur Laufzeit” da wir uns zu 100% sicher waren, dass etlicher Content zur Messe-Eröffnung wohl noch nicht verfügbar sein wird und wir das Zeug dann später einspritzen müssen. Wohlgemerkt 70 Touchsmarts in Orlando und 60 in Frankfurt. Die Idee war also, dass wir ein eigenes VLan nutzen, in welcher nur der Server eine Connection nach draußen hat (aus Sicherheitsgründen) und der Server den Content über eine Eigenentwicklung den Content an alle Clients pusht über das Netzwerk. Ich erwähne das deshalb nochmal, da das später noch eine essentielle Rolle spielen wird.
Das Team wurde gesplittet. Projektverantwortlicher (der gute Stefan) und zusätzliche drei Jungs (Daniel, Alex und Denis) von uns gingen nach Orlando. Gunar, Nico und ich wurden nach Frankfurt geschickt. Wir wussten also, dass Zeitverschiebung noch Probleme mit sich bringen könnte. Alex sorgte in Orlando für Content und hatte vor, den Content jeden Tag immer ein bisschen was ins Repository zu commiten, dass wir sukzessive übers Netzwerk pushen konnten.Der Plan war bombensicher – so glaubten wir. Wir hatten das Framework, wir hatten den Content-Ownern Beine gemacht, wir hatten nach Orlando 80 Touchsmarts und 2 Server mitgenommen, und wir waren heiß. Denn wir sind ja Cracks und die allertollsten Hechte – glaubten wir auch
Tag 1 – Anfahrt und Aufbau
Hach Gott waren wir heiß, wir wollten da hin und alle so richtig wegflashen mit unseren Ideen.
Da wir die Server nicht mit der Logistik mitschicken konnten bedingt durch zu späte Updates auf ihr, musste einer von uns fahren – das war ich. Plan war, dass wir um 9 Uhr in der Messehalle stehen, uns mit einem Verantwortlichen für unsere Kioske (ein Kiosk steht immer in einem Themenbereich und hat an vier Seiten jeweils ein Touchscreen) zu treffen, und dann abzumachen, wie wir die Dinger da dran hängen, ans Netz bekommen und möglichst schnell unsere Tests fahren können mit unserem Tool in unserem eigens dort eingerichteten IT-Raum nur für uns und den Jungs von Sedna (die Geeks von der Touchwall s.o.). Jaaa. Wieder ein Plan. Mensch. Drei studierte Informatiker, die für alles einen Plan haben, warten darauf, richtig loszulegen – Gott, was waren wir heiß. (die Jungs in Orlando waren miiiiindestens genauso super vorbereitet und warteten nur darauf, endlich damit loszulegen)
Also. 6 Uhr aufstehen – an einem FUCKING FEIERTAG. Die Business-Kasper-Mode eingepackt (von Sonntag bis Mittwoch war Anzugspflicht) und losgepaced nach Walldorf um die anderen Heißsporne mit den Servern dort abzuholen. 7 Uhr war ich dann in Walldorf, hab Gunar und Nico ins Auto von ein paar Japanern reindrücken lassen (ungefähr so) und dann konnten wir auch losdüsen. Warum ich die Japaner erwähne? Ich fahre einen Kompaktwagen (Peugeot 207), wir haben drei Koffer, Kleidersäcke für Anzug, zwei Server mit Tastaturen und etlichen anderen Kram und wir mussten sogar noch völlig unerwartet unsere Körper dazu quetschen, dass wir nach Frankfurt kommen konnten. Da unsere Informatik-Ausbildung auch das Apnoetauchen beinhaltet, konnten wir durch Luft anhalten und Bauch einziehen unsere Körper auch so komprimieren, dass das Lenkrad noch mit Mund und Zunge zu bewegen war. Gangschaltung war nicht mehr nötig, da wir mit dem Gewicht eh nur im ersten Gang fahren konnten
8.30 Uhr Ankunft. Wir haben ein Navigationssystem, der Herr HansHans führt uns ja hundert Pro ans richtige Ziel. Parkplatz 3.1. Da wollten wir hin. Messegelände. Wird schon. Als das Navigationssystem dann sagte “Sie sind an ihrem Ziel angekommen” und das Messegelände zwar zu sehen war, aber mehrere Hochhäuser noch davor standen, hatte mir dann Nico in einem eloquenten und geistreichen Kommentar klar gemacht, dass er denke, wir seien falsch. Nochmal Danke dafür, Nico. Ich wollte dort schon mitten auf der Bundesstraße aussteigen und die Server abladen, wenn ich dich nicht gehabt hätte. Gunar, der auf der Rückbank saß, konnte bedingt durch seinen Platz nur mit Grunzlauten in Verbindung mit Morsecode antworten. Ich bin kein Schwein, Morsecode kann ich auch nicht –> ignore. Ok. HansHans wurde ausgemacht, Schilder gucken. Nach dem wir durch eine Tiefgarage gefahren sind, standen wir zumindest vor einem Tor, dass zu Halle 3 führte. Wir also dort geparkt, unsere wichtigen Messeeinladungen und Staff-Bestätigungen im Hüfthalter bereit zum Betätigen und Security angelabert, ob wir denn hier richtig seien. “Jaaaaa. Ihr seid ihr richtig bei Halle 3. Aber nicht Bei Parkplatz 3.1. Der ist nämlich auf der anderen Seite der Halle. In der MITTE des Messegeländes.” Konsequenz. Wir müssten ans andere Ende des Messegeländes fahren, dass wir dann auf dem Messegelände in die Mitte fahren durften.
Es war nicht schlimm. Wir wurden nur 5 mal auf der Messe angehalten und durften auch nur 5 mal sagen, wo wir hin wollten und wir wurden auch nur 5 mal einfach weiterfahren gelassen. So um 9 Uhr waren wir dann da. Uns wurde aber schlicht der Einlass verwehrt, da wir keine Badges hatten, die uns als “SAP IT” auszeichneten. Wir suchten also den komischen Schalter, um uns besagte Badges zu besorgen. Nachdem wir dann einmal um die Halle gelaufen sind – keine Angst, es waren nur gefühlte 10km (aber Laufen sollte noch ein wichtiger Punkt in unserem Messedasein sein), wurde uns gesagt, dass wir die Badges doch schon in Walldorf bestellt haben sollten. Gunar und ich guckten Nico mit einem WTF an, der das Zeug mit IT händeln sollte und er verneinte. Nico arbeitet bei IT, war aber voll in diesem Projekt jetzt involviert. Er händelte die ganze Servergeschichte und dort die Logistik von unserem Kram. Also musste Nico seinen Boss hier auf der Messe anrufen und ihm beichten, dass er das vergessen hatte. Besagter Herr kam dann irgendwann um die Ecke und gab uns dann unsere Badges.
Rein aufs Messegelände und erstmal einen Schreck bekommen, dass es schlicht und einfach eine Großbaustelle war. Es stand NICHTS. Messebauer rannten rum. Stahlträger würden hochgezogen. Überall wuselte es und überhaupt war es laut, arschkalt (wir waren ab dem Zeitpunkt nicht mehr heiß) und wir wussten, dass wir unseren Plan genau jetzt höchstens noch für den Allerwertesten nutzen konnten. Zumindest wenn es ums Zeitfenster geht. Nico hatte ja vorab mit einem Verantwortlichen von der Messebaufirma gesprochen, der uns dort zur Hand gehen würde mit dem Aufbau unsere Touchsmarts. Ich weiss nicht warum, aber wohl jeder Messebauer hatte uns sofort in eine Schublade gesteckt und dementsprechend schneeeeeeeeeee..zzzZzzZzzZzz…langsam wurde uns dort auch geholfen. Nach etlicher Fragerei hat sich herausgestellt, dass der Verantwortliche gar nicht auf das Messegelände mitgekommen ist und sowieso gäbe es ja noch Ärger mit unseren Kiosken seitens der Soundsysteme. Wir hatten mit den Leuten vom Sound so nichts zu tun, es hieß einfach nur, dass sie sich um die Soundanlage kümmern würden. Da wir ja SAP sind, haben wir halt auch – so sparsam wie wir sind – dann einen kompakten Dinosaurier von Verstärker bestellt bekommen, der nicht in die vorgesehene Schranktür passte, wo Switch, Steckdosen und Verstärker ihren Platz finden sollten. Also musste man sich nun überlegen, wie man den Verstärker irgendwie in das Gesamtkonstrukt bringen konnte (siehe hier)….
[More days to come - 5 Tage - Artikel wird am Wochenende fertig geschrieben.]